Geschichte von Schloss Oedheim  
   

Capler
Die Ritterfamilie Capler von Oedheim gen. Bautz war eine Familie des sog. niederen Adels, ursprünglich Dienstmänner der hoch angesehenen Herren von Weinsberg, dann ab Mitte des 15. Jh. Lehensmänner der Kurzpfalz. Ihr Stammbaum lässt sich bis in das 8. Jh. zurückführen.
Als 1504 Herzog Ulrich v. Württemberg die hiesigen Besitztümer erobern konnte, erhielten die Capler ihr Lehen von den Herzögen, später Königen von Württemberg. Nach Abschaffung des Lehenwesens hielten sie ihrem Landesherrn überwiegend als Offiziere die Treue.

Über 800 Jahre lassen sich Besitzungen dieses Geschlechtes in Oedheim und in anderen Landesteilen zwischen Jagst und Kocher  nachweisen. Das Geschlecht derer von Oedheim wird ab 1235 bis 1967 in 20 Generationen belegt.

Ullrich Capler von und zu Oedheim (1360 - 1437) trug erstmals den Beinamen gen. Bautz (der „Aufbrausende/Rabautzige“). Er wurde von den Weinsbergern als erster mit Burg Oedheim belehnt.

Die Burg entstand wahrscheinlich im 11. oder 12. Jh. zum Schutze des Kocher-Überganges. Die Straße „Fahrgasse“ deutet noch auf die alte Fähre hin. Aus alten Wegbeschreibungen geht hervor, dass schon zur Zeit der Kelten ein Handelsweg zwischen Rhein und Donau hier den Kocher überquerte.
Die Burg muss 1235 bereits seit längerer Zeit bestanden haben. Sie war durch das Steilufer der Kocher von dieser Seite hinlänglich geschützt, die anderen Seiten waren durch einen Wassergraben gesichert, der noch bis ca. 1560 nachweisbar ist. Mit größerer Wahrscheinlichkeit befand sich hier eine Motte („Erdklumpenburg“, eine frühe Burgform des 9. und 10. Jh., meist aus Wällen und Palisaden bestehend), bevor am selben Ort die Burg erbaut wurde.

Schlossmauer von der Innenhofseite
Das Schloss ist in seinen Hauptbauten noch mit der stauferzeitlichen mittelalterlichen Schildmauer-Burg identisch. Davon zeugt die gewaltige 2,80 m starke noch bis zum Fußboden des Obergeschosses reichende Schild-Mauer zur Angriffseite im Nordosten. Zum Dorf im Südosten und zur Fahrgasse im Südwesten ist noch die 1,75 m starke Ring-Mauern erkennbar. Auf der gesicherten Kocherseite dagegen, sind die Mauern nur noch 1,20 stark.

Es sind verschiedene Bauphasen erkennbar. Im Spät-Mittelalter ca. 1460-1510 erfolgte eine Verstärkung der Anlage durch eine noch teilweise erhaltene Zwingermauer mit Flankier-Schalenturm, 1533 folgte eine dritte Phase, fixiert durch das Allianzwappen über dem Kellertor des Kelterbaues. Diese Zeit der Renaissance darf das ganze Kelterhaus vom Keller bis zum Dach zuzurechnen sein. (Die Kelter im Erdgeschoß machte den Schlossherr Christoph v. Capler von der dem Deutschorden gehörenden Dorfkelter unabhängig).

Allianzwappen Capler - Thumb
Etwa 1533 dürfte der Palas der Burg, das Haupthaus im Südwesten umgebaut worden sein (Allianzwappen unter einem Fenster am Erker), der spärlich mit Fenstern versehene Palas dabei wohnlicher gestaltet und offenbar auch ein weiteres Fachwerkgeschoß entfernt, ein Treppenturm mit Wendeltreppe abgebrochen und die Treppe nach innen verlegt. Die Oedheimer Chronik berichtet, dass 1546 pfälzische Reiter das Schloss des treuen Württembergers plünderten. Dabei wurde das außen liegende Treppenhaus zerstört und drei Fachwerkgeschosse des Wohnturms abgerissen und mit dem Bauschutt des Wehrgraben aufgefüllt.

Den dann einsetzenden Umbauten in der Renaissancezeit sind auch einige Fenster mit Gesimsen in der Ringmauer zum Fluss hin im Zwischenbau, sowie schließlich auch das rundbogige Eingangstor zum Schlosshof mit Allianzwappen Bautz-Gemmingen 1692 zu verdanken.

Angehörige dieser früher weit verzweigten Adelsfamilie bekleideten hohe Würden und Ämter, waren Mitglied des Johanniter-Malteser- Deutschordens, waren Domherren (Bamberg und Würzburg) und Vögte.

Aufnahme des Schlosses um 1900
1854 wurden die über 400 Jahre kontinuierlich nachweisbaren Lehensgüter in Oedheim, Willenbach und Lampoldshausen schließlich capelscher Privatbesitz.

Viele des Geschlechtes waren Offiziere in württembergischen, bayerischen und preußischen Diensten. Hans Wolfgang (1870-1917) brachte es zum Flügeladjudanten des Königs v. Württemberg.

Der letzte Baron Dietrich Fritz Hermann Capler von Oedheim gen. Bautz * 1876 trat 1919 nach 25 jähriger Dienstzeit als Major in den Ruhestand. Stellvertretend für seine ganze Sippe wurde ihm 1961 zu seinem 85. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde verliehen. Als er dann 1967 verstarb, erlosch das Geschlecht im Mannesstamm.

Schloss Oedheim heute

Das Schloss durfte 25 Jahre lang, so stand es im Testament, nicht bewohnt werden, erzählt Alfons Denkinger, Leiter des Liegenschaftsamts Oedheim. Um den Verkauf an Sektenanhänger zu verhindern, so Bürgermeister Ulrich Ruoff, erwarb die Gemeinde in den 80ern das Schloss und das umliegende Gelände, auf dem heute die Kochana steht, für rund eine Million Mark. Altersheim, Rathaus - alle Überlegungen hinsichtlich einer neuen Nutzung erwiesen sich als zu teuer. Das Schloss verfiel zusehends, bis 1995 Teile des Grundbesitzes mit den Schlossgebäuden an die Eheleute Roch weiterveräußerten wurden.
Seitdem wurde das Schloss von Grund auf renoviert und erblüht mittlerweile in neuem Glanz.



   

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